HEILIGER BERG ATHOS
Innenansichten eines Phänomens
Von Walter Bachsteffel, Karvounari/Paramythia
Der nordöstlichste Finger der Chalkidiki ist die Halbinsel Athos. Sie ist etwa 50 km lang, zwischen 5 und 10 km breit und verläuft in südöstlicher Richtung. Am südlichen Ende erhebt sich 2033 m aus dem Meer der Berg Athos. Viele Male besuchte ich schon den Heiligen Berg, viele Freunde gewann ich, zahllose Gespräche bereicherten ebenso wie gemeinsames meditatives Schweigen im Angesicht des abendlichen strahlenden Marmorkegels Athos. Athos ist Halbinsel, Berg und Heimat vieler Männer. Nur Männer! Hier auf dem Athos endet die Welt der weltlichen Frauen. Ihnen ist seit mehr als 1200 Jahren der Zutritt verboten. Hier ist das Reich der Mutter Gottes und ihrer Diener, der Mönche des Heiligen Berges. Viele Jahrhunderte vergingen, zahllose Heimsuchungen und Verwüstungen waren zu überstehen, immer noch streben die Mönche, das Taborlicht, das unerschaffenen Licht, zu schauen. Immer noch sind sie bemüht, gegen jede Versuchung Stufe um Stufe der beschwerlichen Leiter des Johannes Klimakos hinauf an die Seite Gottes zu steigen.
Die Klöster des Heiligen Berges sind nicht nur steingewordener Ausdruck der Religiosität unzähliger Generationen von Gläubigen, sie sind auch Kultur- und Kunstdenkmäler für die ganze Welt. Sie allein sind dennoch nicht der ganze Athos. Ein befreundeter Eremit beschrieb es anschaulich: „Die Klöster mit den zahlreichen Pilgern bilden die Schnittstelle zur Außenwelt – das Herz des Athos schlägt in den Kellia und Kalywa“. Erst wer das harte Leben des Eremiten kennen gelernt hat, wird den Athos besser verstehen können. Dabei schließen sich Moderne und Altertum nicht aus. Eine E-Mail aus einer Einsiedelei, einem Asketirion, ist heute nichts Ungewöhnliches mehr.
HISTORIE DES HEILIGEN BERGES
- Bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. bevölkern griechische Siedler den Athos
- 492 v. Chr. zerschellt die Flotte des Perserkönigs Darius mit 300 Schiffen und 20.000 Menschen am Kap des Athos, Hellas entgeht dem Überfall der Perser
- Erste christliche Einsiedler ziehen 600 n. Chr. in die Abgeschiedenheit.
- Ab 726 entzündet sich der Streit um die Abbildungen des Göttlichen und Heiligen, der Bilderstreit oder Ikonoklasmus. Im Verlaufe der erbitterten Auseinandersetzungen verlassen viele Mönche Byzanz, werden zahllose Ikonen vernichtet, aber etliche auf den Berg Athos gerettet. Um diese Rettungen ranken sich zahlreiche Mythen und Zuschreibungen von Wundertaten. Erst 843 beendet Kaiserin Theodora den langdauernden Streit.
- Zur gleichen Zeit werden heilige Männer auf dem Berg urkundlich erwähnt.
- Um 840 lebt Petros der Athonit 53 Jahre in einer Höhle der Steilküste, der Eremos; Efthymios der Jüngere folgt als Wundertäter gegen 860.
- 874 befreit Baseilios der Erste in einer Goldsiegelbulle die Mönche des Athos von Steuern.
- Abaton, das Verbot des Zugangs von Frauen, wird erstmals 883 erwähnt.
- Athanassios der Athonit gründet 963 Megisti Lawra als erstes Athoskloster, nach 972 folgt die Gründung von Vatopaidi
- 972 wird die erste Verfassung des Athos unter Kaiser Joannis Tsimiskos auf einer Bockshaut (Tragos) festgehalten.
- Gründung von Iwiron als georgisches Kloster.
- 1045: Eine Goldsiegelbulle von Kaiser Konstantin IX. Monomachos bestätigt die Bezeichnung „Heiliger Berg“.
- 1922 schreiben die Verträge von Lausanne die Unabhängigkeit der Mönchsrepublik Athos fest.
MYTHOLOGIE EINES HEILIGEN BERGES
- Die Halbinsel des Athos zeigt nach Jerusalem. Die Linie nach Jerusalem schneidet Ephesus, den Ort, an dem die Gottesmutter lebte.
- Paulus verkündete das Evangelium an vier Orten: Philippi, Athen, Thessaloniki und Troja. Diese Orte können durch ein Kreuz verbunden werden, in dessen Mittelpunkt der Athos liegt
- Der Schatten des Berges weist nach Konstantinopel. Vom Gipfel ist an schönen Tagen diese Stadt zu sehen
- Die Spitze des Berges weist zum Himmel.


